DocuNews Loveparade: herzlich Willkommen

Schön, dass Sie bei DocuNews Loveparade vorbei schauen. Hier auf unserer aktuellen Seite finden sie aktuelle Nachrichten und Neuigkeiten zur Loveparade und zu unseren Recherchen. Mit dem Beginn des Loveparade Prozesses in Düsseldorf wollen wir wieder regelmäßig berichten. DocuNews begleitet die Loveparade Katstrophe seit 2010.
Wenn Sie das erste mal hier sind, haben Sie vielleicht Lust, unsere Einführung zu lesen.
Da finden sie auch Links zu den Dokumenten und Analysen.
Sonst stöbern sie ruhig unter dieser Begrüssung hier im aktuellen Teil weiter…

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Loveparade Prozess hat begonnen…

Mehr als sieben Jahre nach der Loveparade Katastrophe hat in Düsseldorf der Strafprozess zur Loveparade begonnen.
DocuNews ist als unabhängiges Onlineportal beim Loveparade Verfahren akkreditiert.
Zunächst werden wir bis zum Jahresende 2018 die Verhandlungstage in der Aussenstelle des Landgerichts Duisburg auf dem Düsseldorfer Messegeländeverfolgen. Danach müssen wir neu entscheiden, ob unser ehrenamtliches Projekt den finanziellen und zeitlichen Aufwand leisten eine kontinuierlichen Prozessbeobachtung leisten kann.

Am ersten Prozesstag reichte die Zeit nur knapp, um die Anklageschrift zu verlesen. Neben den Formalien, Aufruf der Beklagten und ihrer Verteidiger, Aufruf der Nebenkläger und deren Anwälte und Dolmetscher hatte das Gericht einige Anträge der Wahlverteidiger abzuarbeiten. Diese bezogen sich auf, „Ausschluss von Zuschauern, die als spätere Zeugen in Frage kommen“, „Befangenheit von zwei Ersatzschöffen“, „falsche Zusammensetzung des Gerichts“ und „nicht verlesen der Anklageschrift“. bei jedem dieser anträge muss zuerst der Vorsitzende Richter, einzeln über die Zulassung des Antrags entscheiden. Diese Entscheidung kann beanstandet werden, denn muss die ganze Kammer über die Zualssung entscheiden. Wird der Antrag zugelassen, muss anschließend über den Inhalt dieses Antrages entschieden werden. Dieses Verfahren ist aufwändig und so kam es erst um 15:50 Uhr zur Verlesung der Anklageschrift.

Wir beschränken und hier zunächst eine kommentierte Presse- und Medienschau. Wir beschränken uns dabei auf die Medien, die wir für herausragend halten und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Einen sehr guten, detailreichen Überblick über den ersten Prozesstag gibt Lukas Eberle auf SPIEGEL ONLINE:
„Und dafür soll es keine Verantwortlichen geben?“

Bereits vor der Öffnung des Congresszentrums Düsseldorf hatte der Deutschlandfunk ein ausführliches Interview (über 11 Minuten) mit Gabi Müller in den „Informationen am Morgen“ geführt:
„Es ist wichtig, dass man sich wehrt“
Das intensive Gespräch zwischen Frau Müller und Redakteur Christoph Heinemann gibt es in der DLF-Mediathek auch zum Nachhören.

Bereits am Vortag hatte hatte Benjamin Sartory auf dem gleichen Sendeplatz im DLF eine gute Einführung in die Vorgeschichte des Loveparade Prozesses gegeben:
„Juristische Aufarbeitung einer Katastrophe“

 

 

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Pläne und Dokumente zur Loveparade-Katastrophe wieder verfügbar…

Die Links zu den beiden *zip Dateien mit den wichtigsten Dokumenten und Plänen zur Loveparade-Katastrophe funktionierten nicht mehr. Die damals genutzten Filehoster hatten die Dokumente gelöscht. Wir habe diese jetzt erneut hochgeladen und hoffen dass der Download von „Google Drive“ jetzt stabil funktioniert.

Hier geht es zur Seite mit den Links

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Kriegerbau: Falsche Pläne für die Hinterbliebenen…

Die Hinterbliebenen der Loveparade-Katastrophe sind vom Investor für das Loveparade-Gelände, der Berliner Kriegerbau GmbH, mit Plänen  informiert worden, die die geplanten Baumaßnahmen am „Gedenkort Loveparade-Katastrophe“ falsch darstellen. Diesen Fehler hat Krieger bis heute nicht korrigiert. Die Zustimmung der Hinterbliebenen zum Bau des Gedenkortes wurde daher auf Grundlage von Fehlinformationen organisiert.

Die Baupläne waren den Hinterbliebenen auf einem Treffen am 26. Januar 2013 in der Privatwohnung von Möbelunternehmer Kurt Krieger in Berlin ausgehändigt worden. Einige Tage später wurden die gleichen Pläne von Kriegers Mitarbeiterin Edda Metz auch elektronisch zugestellt. Alle Teil­nehmer­Innen eines Hinterbliebenentreffens am 3. Februar haben sich so auf Grundlage falscher Pläne auf das Treffen vorbereiten müssen. Auch die auf dem Treffen vorgelegte Tischvorlage war falsch. Die Entscheidung zum Gedenkort musste so auf Grundlage von Fehlinformationen gefällt werden.

Eine korrekte Fassung der Pläne wurde durch die Kriegergruppe mehr als eine Woche später für eine eigene Pressekonferenz am 6. Februar hergestellt. Also lange nach der Zustimmung der Hinterbliebenen zu den falschen Plä­nen. Diese korrigierte Fassung hat Krieger auch heute, drei Wochen nach der erwähnten Pressekonferenz,  den Hinterbliebenen nicht zukommen lassen.

Eine lange Vorgeschichte…

Die Gespräche zwischen den Hinterbliebenen, Verletzten und Traumatisierten der Love­pa­rade-Katastrophe und Möbelunternehmer Kurt Krieger begannen vor fast zwei Jahren. Sie waren belastend und zäh. Zu Beginn favorisierten Kurt Krieger und der damalige Duis­burger Stadtdirektor Dr. Peter Greulich eine unterirdische Lösung. Das Gedenken sollte unter Beton und ohne Tageslicht stattfinden. Die Öffnung des Gedenk­ortes nach oben, ein sanfter Anstieg statt einer schroffen Mauer im Norden, die Breite des Eingangs an der Karl-Lehr-Straße im Süden:
um jedes Detail musste mühsam gekämpft werden.

Obwohl sich Kurt Krieger, Inhaber der zweit größten Möbelhauskette in Deutschland,  in diesem langwierigen Prozess bewegt hat, kann man von Verhandlungen im eigentlichen Sinne nicht sprechen. So wurden keine Ergebnisse schriftlich festgehalten und unterzeichnet, Konsens­verein­barungen fanden sich in den von Krieger später gefertigten Modellen und Zeichnungen oft nicht wieder.

Neuer Schub

Einen echten Schub bekamen die Gespräche erst, als der Rat der Stadt Duisburg am 4. Juli 2012 einen Bebauungsplan verabschiedete, der einen deutlich größeren Gedenkort vor­sah, als Krieger ihn bisher zugestanden hatte.

Die zuletzt noch strittigen Details sollten auf Einladung von Duisburgs OB Sören Link in einer Gesprächsrunde am 5. Januar 2013 im Duisburger Rathaus  besprochen werden:

  • das Bahnwärterhäuschen, oberhalb der Treppe am Ort der Katastrophe, musste einer Straße weichen. Es sollte wenigstens als Landmarke/Silhouette zitiert werden, um den visuellen Eindruck des Ortes der Katastrophe nicht zu sehr zu verändern.
  • Der Eingangsbereich im Süden am Tunnel war mit den von Krieger zugestandenen sieben Metern zu eng. Er sollte breiter werden. Der Gedenkort außerdem im Osten unter dem dort, sechs Meter über dem Niveau der Karl-Lehr-Straße verlaufenden Fuß/Radweg, erweitert werden.

Gespräch gescheitert…

Die Begegnung am 5. Januar 2013 verlief unglücklich und war von kurzer Dauer. Nach einem missglückten Eingangsstatement von Kurt Krieger „das ist nicht Ihre, sondern -wenn- unsere Gedenkstätte“ folgten drei Statements von Vertretern der Betroffenen. Alle drei Beiträge schienen Krieger „weder konstruktiv noch zielführend sondern schlicht unak­zep­tabel“. Er stand auf und verließ den Sitzungssaal.

Nach diesem Affront wurde Kurt Krieger von vielen Seiten, u.a. vom Rat der Stadt Duis­burg aufgefordert, weiterhin den Dialog fortzusetzen und einen Kompromiss mit den Geschädigten zu suchen. Stattdessen brach Krieger den Dialog mit der Selbstorganisation der Betroffenen, dem Verein „Loveparade Selbst­hilfe“ umgehend ab. Briefe der Verletzten und Hinterbliebenen ließ Krieger seither unbeantwortet. Stattdessen organisierte seine Mitarbeiterin Edda Metz in Kooperation mit Notfall­seel­sorger Uwe Rieske „Begegnungen“ mit einzelnen hand­verle­senen Hinterbliebenen.  Zunächst erfolgten die Einladungen durch Rieske und Metz noch transparent und offen. In der Schlussphase verlegten sich Notfallseelsorge und Kriegerbau auf Geheimdiplomatie. Die große Gruppe der Verletzten und Traumatisierten schloss man von allen Gesprächen aus. Der winzige Kreis der weiterhin einge­lade­nen Hinter­blie­benen wurde zu strikter Geheimhaltung in Bezug auf Termine und Inhalte verpflichtet.

Ab jetzt: Geheim

Das Geheimtreffen am 26. Januar 2013 fand in kleinstem Kreis in Kriegers Privatwohnung in Berlin statt. Teilnehmer: Kurt Krieger, sowie seine Abteilungsleiterin Edda Metz, Pfar­rer Rieske und das Ehepaar Mogendorf, Eltern des auf der Loveparade gestorbenen Eike Mogendorf. Lange passierte an diesem Nachmittag gar nichts. Es gab Chili con Carne, man besichtigte Kurt Kriegers Villa, bewunderte die „Lebensbäume“ in seinem Garten. Erst kurz vor der Rückreise übergab die Kriegergruppe ihren Gästen die neuen Pläne, verbunden mit der Bitte, eine Zustimmung aus dem Kreis der Hinterbliebenen zu organisieren.
(ein Klick auf das Bild öffnet den Plan im *.pdf Format).

Gedenkort Loveparade Katastrophe mit offenem Deckel über der Karl-Lehr-Strasse.

Gedenkort Loveparade Katastrophe mit offenem Deckel über der Karl-Lehr-Strasse.

Falscher Plan

Klaus Peter Mogendorf fiel sofort auf, dass sich dieser Bauplan in einem wesentlichen Detail von allen Plänen unterschied, die er bisher gesehen hatte. Der ursprüngliche geplante Deckel auf der Karl-Lehr-Straße war in dieser Zeichnung teilweise geöffnet. Für den Gedenk­ort bedeutete das: mehr Licht und weniger Schallbelastung, da der Straßenlärm nicht länger vom Straßendeckel in den Gedenkort abprallen würde, sondern nach oben entweichen könnte. Für eine Nachfrage blieb wenig Zeit. Dieses Detail sei nicht Bestandteil der neuen Planung, versicherte Frau Metz, und man trat die Heimreise an.

Da hat ein Architekt in der Vorbereitung des Treffens einen dummen Fehler gemacht“ sagt Edda Metz heute. Das kann vorkommen. Warum man allerdings diesen Fehler nicht umgehend korrigiert, Deutschlands zweit größtes Möbelhaus es binnen mehr als einer Woche nicht schaffte, das Treffen der Hinterbliebenen mit korrekten Plänen auszustatten, kann bei Kriegerbau in Berlin niemand schlüssig erklären.
Jedenfalls:
als Uwe Rieske den Tages­ord­nungs­punkt „Gedenkort“ auf dem Hinterbliebenentreffen am 3. Februar 2013 aufruft, kreist als Tischvorlage der falsche Plan. Rieske weist auf dieses Manko nicht hin. Man hat einen Dankesbrief zu diesen falschen Plänen  formuliert. Der wird von 19 TeilnehmerInnen des Treffens unterzeichnet und Kurt Krieger schnell übermittelt.

Kaum ist dieser Brief bei Kriegerbau eingetroffen, plant das Möbelhaus eine Presse­konfe­renz am Ort der Katastrophe. Jetzt klappt, was in der ganzen Vorwoche nicht zu leisten war. Kriegerbau zeichnet und präsentiert seine wirklichen Pläne. Deckel wieder drauf.
(ein Klick auf das Bild öffnet den Plan im *.pdf Format).

Gedenkort Loveparade Katastrophe mit geschlossenem Deckel über der Karl-Lehr-Strasse

Gedenkort Loveparade Katastrophe mit geschlossenem Deckel über der Karl-Lehr-Strasse

Korrektur für die Presse

Edda Metz hat zur Pressekonferenz am 6. Februar 2013 reichlich Support mit auf die (verschneite) Rampe gebracht. „Zwei Angehörige“, stellt sie vor, die Namen hat sie sich nicht merken können: es sind Friedhelm Scharff und Manfred Reißaus. Die anderen Teilnehmer kennt sie, da prominenter, besser. Der erwähnte Notfallseelsorger Uwe Rieske sowie die Spitze der Stadt Duisburg: Baudezernent Carsten Tum und Oberbürgermeister Sören Link freuen sich über den neuen Plan und die erzielte Einigung. Niemand fällt auf, dass die am Zaun aufgehängten Pläne vor drei Tagen noch ganz anders aussahen.

An die VertreterInnen der Medien verteilt Frau Metz die Planungsunterlagen auf USB Stick. Familie Mogendorf und den anderen Hinterbliebenen haben sie und Kurt Krieger die gültigen Pläne nicht einmal im Nachhinein zukommen lassen. Klaus Peter Mogen­dorf hat sie gerade von mir bekommen.

Ob auch Carsten Tum und Sören Link die Pläne mit Öffnung erhalten haben, habe ich nachgefragt, eine Antwort bis zum Redaktionsschluss jedoch nicht erhalten.
Jetzt ist sie da:
Oberbürgermeister Sören Link hat an dem von Ihnen beschriebenen Treffen am 26.1. in Berlin nicht teilgenommen und hat folglich die dort vorgestellten Pläne auch nicht gese­hen. Der auf dem Pressetermin am 6.Februar gezeigte Entwurf lag den Genehmi­gungs­be­hör­den der Stadt Duisburg vor; darüber hinaus gab es keine anderen Pläne.

Uwe Rieske hat zwar geantwortet, aber keine der an ihn gestellten Fragen beantwortet: „Ich agiere zwar auf verschiedenen Feldern, habe aber nur eine Rolle: Ich bin Pfarrer und habe Vertraulichkeitsverabredungen zu respektieren.“

Einiges wird noch aufzuklären sein. Fair war dieser Umgang mit den Geschädigten der Loveparadekatastrophe nicht, effizient mag er einigen erscheinen.
Wohl doch eher:  missachtend und arrogant…

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Gutachten von Professor Keith Still auf Deutsch…

DocuNews veröffentlicht das Gutachten von Professor Keith Still zur Loveparade Katastrophe in einer ersten deutschen Übersetzung. Professor Still hatte das Gutachten im Dezember 2011 der Duisburger Staatsanwaltschaft übergeben, die es kürzlich den Verteidigern der im Verfahren Beschuldigten zustellte. Der WAZ Recherche Blog hatte das Gutachten online verfügbar gemacht. Die deutsche Übersetzung auf DocuNews, gefertigt durch Kai Abrell, Meister für Veranstaltungstechnik, ermöglicht nun eine breitere Diskussion zu den Ursachen der Loveparade Katastrophe.

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