Ordner auf der Loveparade Duisburg – Die NullNummer…

Glaubt man den Veranstaltern der Loveparade, so waren am Veranstaltungstag über 1000 Ordner auf dem Gelände der Parade für die Sicherheit der Zuschauer im Einsatz. Eigentümlich nur, dass diese Zahl nirgends schriftlich festgelegt wurde. Dabei bestimmt der §43 der Sonderbauverornung Nordrhein Westfalen eindeutig:

(2) Für Versammlungsstätten mit mehr als 5 000 Besucherplätzen hat der Betreiber im Einvernehmen mit den für Sicherheit oder Ordnung zuständigen Behörden, insbesondere der Polizei, der Brandschutzdienststelle und den Rettungsdiensten, ein Sicherheitskonzept aufzustellen. Im Sicherheitskonzept sind die Mindestzahl der Kräfte des Ordnungsdienstes gestaffelt nach Besucherzahlen und Gefährdungsgraden sowie die betrieblichen Sicherheitsmaßnahmen und die allgemeinen und besonderen Sicherheitsdurchsagen festzulegen. (3) Der nach dem Sicherheitskonzept erforderliche Ordnungsdienst muss von einer vom Betreiber oder vom Veranstalter bestellten Person geleitet werden.

Trotzdem sucht man eine solche Präzisierung vergebens. Sollte das Duisburger Bauamt darauf verzichtet haben? Aus Anlass des „Runden Tisches Loveparade“ in Duisburg am 5. Februar 2010 haben wir das Ordnerkonzept der Loveparade 2010 in Duisburg eingehend recherchiert. Mit erschreckendem Ergebnis. Von den ursprünglich eingeplanten 1301 Ordnern haben nur 774 gearbeitet. 527 Ordner, das sind über 40% aller Ordner, sind zur Loveparade in Duisburg  wahrscheinlich nicht angetreten, jedenfalls in den internen Stundennachweisen von Lopavent mit null geleisteten Arbeitsstunden gelistet.

Bei den Unterlagen die der Veranstalter der Loveparade 2010 in Duisburg, die Berliner Lopavent GmbH ins Internet gestellt hat, befindet sich ein zwanzigseitiges Excel Spreadsheet. In 1302 Zeilen sind Namen von Ordnern gelistet, die von Lopavent allerdings aus Gründen des Datenschutzes geschwärzt wurden. Zu jedem Ordner werden der Einsatzbereich, das entsendende Unternehmen, die Checkindaten und die geleisteten Arbeitsstunden verzeichnet. Für einige Ordner ist zusätzlich das Geburtsdatum angegeben und für die Kopie im Netz ebenfalls geschwärzt worden.

1302 Ordner, das klingt eindrucksvoll.
Schaut man das Spreadsheet näher an, fällt auf, dass in vielen Zeilen weder Eincheck- noch Ausscheckzeit, dafür aber null geleistete Arbeitsstunden aufgeführt werden. Da das Spreadsheet nicht im Excel Format vorliegt, sondern nur in Kopie, muss man die Zeilen mit null Stunden „von Hand“ auszählen. Das ist mühselig aber lohnend. 527 Ordner  sind im Stundennachweis für die Loveparade 2010 in Duisburg mit null Stunden verzeichnet. Die Anzahl der Sicherheitskräfte wurde also gegenüber den Planzahlen um 40 % reduziert.

4 Kommentare zu Ordner auf der Loveparade Duisburg – Die NullNummer…

  1. PS zu meinem vorherigen Kommentar:

    dieser frühe Artikel von DerWesten (31.Juli) hat erstaunlich richtige Kommentare, die meinen obigen in dem Sinne relativieren, wie ich es ja längst auch schon tat. Man verfängt sich immer wieder in diesen Einzelheiten, während der folgende Kommentar schon damals völlig richtig lag.:

    Schuld ist das Genie das auf die geniale Idee gekommen ist eine Millionen Menschen durch einen Tunnel zu schicken. Kein Tunnel, keine Verengung, kein Stau, keine Panik. Hätte man die Leute einfach über den Mercatorkreisel am Bifunda Gebäude vorbei oder locker von der A 59 seitlich auf das Gelände gelassen, wäre das alles nicht passiert. Wer also war das Genie mit der genialen Tunnelidee ????
    #28 von Nurmasoamrande , am 31.07.2010 um 23:26

    ergänzend könnte man vielleicht noch fragen, wie ich ja auf meinem Blog andauernd frage: Kann eine solche ‚Genialität‘ wirklich Inkompetenz gewesen sein? Muss da nicht eine stille Absicht mit im Spiel gewesen sein?

    Von all den vielen Einzelheiten, die sich aus dieser ‚Genialität‘ ergeben, fällt nur eine heraus, ist relativ selbständig mit Ursache für die Todesfälle: der Gully mit dem Bauzaun und Baumwurzel. Wo immer solche Masse entstanden wäre, wie dort, hätten diese Stolperfallen ähnliche tödliche Folgen gehabt.

    Auf dem Hintergrund der genannten ‚Genialität‘ stimmt dann auch der folgende Kommentar zu dem Artikel:
    Wie kann man denn ernsthaft den vor Ort eingesetzten Polizeibeamten die Ursache für das schreckliche Geschehen am letzten Samstag in die Schuhe schieben wollen, wo sie doch nur noch ausführendes Organ gegenüber einer unüberschaubaren Masse an Menschen waren, derer sie mit allen möglichen Entscheidungen – mithin ganz sicher auch mit fehlerhaften Entscheidungen – Herr zu werden versuchten? Und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem grundsätzliche und das Unglück verhindernde Entscheidungen längst nicht mehr getroffen werden konnten…
    #8 von Woledo , am 29.07.2010 um 17:35

    …und auch der stimmt:
    Wenn alle Beteiligten einen ***** in der Hose hätten, würden Sie in der Gesamtheit die Verantwortung für diese Katastrophe übernehmen, zumal jede Seite (Veranstalter, Stadt, Polizei, Feuerwehr, Raver) ein Stückchen dazu beigetragen hat! Auch die Presse muss sich die Frage gefallen lassen, warum man erst jetzt die angeblichen, im Vorfeld bekannten Sicherheitsmängeln massivst anprangert?
    #27 von spuckilein , am 31.07.2010 um 01:48 #27

    Dass genau das nicht geschieht, könnte ein Indiz dafür sein, dass besagte ‚Genialität‘ nicht Inkompetenz sondern stille Absicht eines menschenfeindlichen – und mithin verfassungswidrigen – Menschenbildes war, das von einigen, an der Loveparadeplanung Beteiligten mehr oder weniger bewusst vertreten wird.

    Gruß
    Blue

  2. Meister für Veranstaltungstechnik sagt:

    Wer fremdes Leben oder Eigentum bewacht, muss eine Sachkundeprüfung nach § 34a Gewerbeordnung vorweisen können. Bei Veranstaltungen mit Gefährdungspotential muss darüber hinaus eine Sicherheitsunterweisung und eine Geländeeinweisung stattfinden, die z.B. Verhalten bei Unfällen, Evakuierungsplanung und die interne Abstimmung während der Veranstaltung vorbereitet. All dies ist bei in letzte Minute shanghaiten Mitgliedern eines Fitness-Clubs nicht gegeben. Bei der Loveparade 2010 war Stunden vor den Todesfällen bereits erhebliche Überfüllung (mehr als 2 Personen/ Quadratmetern) festzustellen . Die mangelnde Anzahl, mangelnde Ausbildung, mangelnde Einweisung und mangelnde Ausrüstung (keine Funkgeräte, keine ELA) des Ordnungsdienstes sind erkennbare Gründe, warum selbst bei erkannter Gefahr keine wirksamen Gegenmaßnahmen eingeleitet werden konnten. Aber billiger wars.

  3. Der Kommentar #13 unter demselben Artikel von DerWesten sagt:
    „Leider ist eine Technik, die alles aufklären könnte nicht eingesetzt wurden. Die Video-Überwachung der gesamten Zugänge.
    Diese einfache Maßnahme hätte stets einen genauen Überblick geschaffen und man hätte mit Sicherheit frühzeitig die richtigen Maßnahmen treffen können.

    #13 von herby49 , am 29.07.2010 um 17:58

    Warst du das nicht, Lothar, der herausgefunden hat, dass die Polizei eigene Kameras an den Einlassstellen installiert hatte? Dieser #13 herby49 konnte das damals ja noch nicht wissen. Aber demnach verschweigt die Polizei doch was. Die müssen anhand der Kameras dann doch genauestens sehen können, wann die Sperren auf und zu waren.

    Hat der Bürger, haben wir nicht das Recht, die Kameraaufnahmen der Polizei zu sehen, genauso wie die von Lopavent? Wer kontrolliert denn die Polizei, wenn sie Mist baut oder eventuell einzelne Vertreter eigenmächtig gesetzwidrig handeln?

    Gruß Blue

  4. Daphne sagt:

    Hallo Lothar, zum Thema Ordner hatte ich neulich noch diesen Kommentar auf DerWesten gefunden:

    „Wir haben am Samstag einen Mitarbeiter vom Ordnungsdienst kennengelernt und uns sehr lange mit ihm unterhalten. Dieser Ordner aus Köln hat uns erzählt, dass er Mitglied bei Mc Fit ist und am Freitag erst gefragt wurde ob er helfen könnte da zu wenig Personal da wäre. Er war mit keinem Funk ausgestattet. Zudem hatte er auch Ohrstöpsel in den Ohren wegen der Lautstärke. Als ich um ca. 18.15 Uhr telefonisch über das Unglück informiert wurde habe ich mich sofort bei diesem Mitarbeiter informiert. Er wusste überhaupt nichts und hat von dem Unglück erst durch mich erfahren. Super Austattung für Sicherheitsmitarbeiter (private Mc Fit-Mitglieder). (..)“

    #14 von Claudia V. , am 29.07.2010 um 18:01
    http://www.derwesten.de/nrz/niederrhein/Polizei-soll-Zugang-zum-Todestunnel-nicht-abgesperrt-haben-id3317373.html#1144022

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