Tod im Niemandsland…

Der Ort der Loveparade – Katastrophe, der untere Teil der Rampe mit Treppe und Lichtmasten war für die an der Genehmigung der Veranstaltung beteiligten Duisburger Behörden „Niemandsland“.
Für diesen gefährlichsten Teil des Veranstaltungsgeländes fühlte sich in Duisburg niemand zuständig. Vielmehr bemühten sich alle Beteiligten, die vorhandenen Gefahren nicht zu sehen, indem sie die eigenen Zuständigkeit erst jenseits dieser Zone definierten.
Für das Bezirksamt Mitte endete die Genehmigung zur Sondernutzung  der Karl –  Lehr – Strasse an deren Bürgersteig . Das Amt für Baurecht und Bauberatung fühlte sich jedoch erst hinter dem Grünsteifen, also ab dem oberen Drittel der Rampe für das Loveparadegeläde zuständig.
Das zwischen diesen beiden Zuständigkeiten sich auftuende „Niemandsland“ straften die Duisburger Behörden mit „Nichtbefassung“. Dieses Niemandsland war so gefährlich, das 21 Besucher der Loveparade hier starben. Hunderte verletzten sich dort schwer und sind bis heute traumatisiert.

Erste Hinweise auf dieses Spiel mit den Zuständigkeiten hatte schon kurz nach der Lovepararade – Katastrophe der Duisburger Baudezernent Jürgen Dressler gegeben. Auf Nachfrage der Rheinischen Post erklärt Dressler in der Woche nach der Katastrophe:

„Jetzt schieben sich alle gegenseitig die Schuld zu, und keiner will es gewesen sein(…) Ja, ich habe die Genehmigung für die Massenveranstaltung erteilt.“ Seine Genehmigung habe sich aber nur auf den engeren Bereich des stillgelegten Duisburger Güterbahnhofes bezogen, auf dem auch die Bühne stand. Der Bereich des Tunnels und der Treppe, in dem Menschen zu Tode gequetscht worden sind, „gehörten nicht zu dem von mir genehmigten Bereich“, sagt Dressler. Dafür seien Polizei, Veranstalter und Feuerwehr verantwortlich gewesen. Dieser Punkt ist Dressler so wichtig, dass er einen Kugelschreiber greift und das Unglücksgelände auf einem Stück Papier skizziert. „Um es ganz deutlich zu machen“, sagt er dabei.“

Die dabei von Dressler gefertigte Skizze ist zur Zeit nicht mehr verfügbar. Man könnte Dresslers Aussage für eine Schutzbehauptung des Duisburger Baudezernenten halten. Die von Dressler angedeutete Unzuständigkeit lässt sich jedoch in den Planungsunterlagen zur Loveparade wiederfinden, insbesondere im Plan „Veranstaltungszonen, Entfluchtungszonen, Notausgänge“Dieser Plan teilt das Veranstaltungsgelände in Felder auf, die in der Entfluchtungsanalyse der Firma Traffgo einer Entleerungssimulation unterzogen werden. Das der Rampe und der Karl – Lehr Strasse am nächsten liegende Feld ist das Feld „F“. Die Vergrösserung des  Plans „Veranstaltungszonen, Entfluchtungszonen, Notausgänge“ zeigt die Lage dieses Feldes zwischen dem Grünstreifen der (grossen) östlichen Zugangsrampe und dem Südende des Gebäudes des ehemaligen Güterbahnhofes.

Feld F im Plan Veranstaltungszonen Entfluchtungszonen Notausgänge der Loveparade Duisburg 2010

Das Feld "F" im Plan "Veranstaltungszonen, Entfluchtungszonen, Notausgänge" der Loveparade Duisburg 2010

Die Karl – Lehr – Strasse mit den beiden Aufgängen zu der grossen (östlichen) und der kleinen (westlichen) Rampe befindet sich am unteren Bildrand.

Bereits auf dieser groben Abbildung sieht man, dass das entscheidende Feld „F“ des Veranstaltungsgeländes keineswegs am Bürgersteig der Karl – Lehr – Strasse sondern bereits oberhalb des „Grünstreifens in der Rampenmitte“ endet. Zwischen dem hier „grün“ begrenzten Veranstaltungsgelände und dem „öffentlichen Strassenland des Karl – Lehr Tunnels“ entsteht das erwähnte „Niemandsland“.

Noch deutlicher wird dies in der folgenden Ausschnittvergrösserung des oberen Bildes:

Ausschnitt Loveparade Duisburg 2010 Plan Veranstaltungszonen Entfluchtungszonen Notausgänge Feld_F mit Ausgaengen

Ausschnittsvergrösserung des Feldes "F" aus dem Plan "Veranstaltungszonen, Entfluchtungszonen, Notausgänge" der Loveparade Duisburg 2010. Deutlich zu erkennen: die Ausgänge von 7 Metern auf die kleine und 18 Metern auf die grosse Rampe.

Man erkennt deutlich, dass in diesem „grün“ umrandeten Feld „F“ zwei Ausgänge für das Veranstaltungsgelände ausgewiesen werden: mit 7 Metern Breite auf die westliche, kleine und mit 18 Metern auf die östliche, grosse Rampe. Heute wissen wir natürlich, dass diese beiden hier zum Zwecke der „Entfluchtung“ ausgewiesenen „Ausgänge“ gleichzeitig die einzigen „Eingänge“ zum Veranstaltungsgelände waren. Wir sehen jedoch auch: mit diesem Ausgang endet das Veranstaltungsgelände für das duisburger Bauamt als Genehmigungsbehörde scheinbar im oberen Rampendrittel.

Was mögen die Gründe  für diese völlig willkürliche „Filetierung“ des Veranstaltungsgeländes sein? Sie scheinen mir in der Sonderbauverordnung des Landes NRW (SBauVo) und insbesondere in den einschlägigen Bestimmungen zu den Rettungswegen finden. Diese müssen, so bestimmt es § 6 SBauVo, „ins Freie zu öffentlichen Verkehrsflächen führen.“

Konkreter wird § 7 SBauVo:

Bemessung der Rettungswege von Versammlungsstätten
(1) Die Entfernung von jedem Besucherplatz bis zum nächsten Ausgang aus dem Versammlungsraum oder von der Tribüne darf nicht länger als 30 m sein. Bei mehr als 5 m lichter Höhe ist je 2,5 m zusätzlicher lichter Höhe über der zu entrauchenden Ebene für diesen Bereich eine Verlängerung der Entfernung um 5 m zulässig. Die Entfernung von 60 m bis zum nächsten Ausgang darf nicht überschritten werden.

Mit anderen Worten: ein Besucher soll höchstens 30 Meter (im Freien 60 Meter) bewältigen, um zu einem Ausgang zu kommen. Ein Retter soll sich höchstens 30 Meter (im Freien 60 Meter) durch das Veranstaltungsgelände kämpfen müssen, bevor er einem Verunglückten Hilfe leisten kann.

Wir wissen, diese Abstände waren in den Tunneln der Karl Lehr Strasse nicht nachweisbar. Wir wissen aber auch: für den unteren Teil der grossen Rampe gab es ebenfalls keine Flucht- und Rettungswege. Man hätte die Rampe also als Teil des Veranstaltungsgeländes nicht genehmigen dürfen. Stattdessen erklären die Pläne und die Genehmigung diesen gefährlichsten Teil des Veranstaltungsgeländes zur öffentlichen Verkehrsfläche, die man über die vermeintlichen Ausgänge des Feldes „F“ kurzfristig erreichen kann.

Die nach der Sonderbauverordnung angemessene und pflichtgemässe Vorgehensweise wäre es gewesen, das Gelände einheitlich als „Versammlungsstätte“ zu betrachten, begrenzt durch die Ein- und Ausgänge und die Zäune. Gleichgültig, ob es sich um „öffentliches Strassenland mit Sondernutzung für die Veranstaltung“ oder um „Privatgelände“ handelt. Das Bauamt der Stadt Duisburg hat stattdessen das öffentliche Strassenland zwischen den Vereinzelungsanlagen „Ost“ und „West“ keiner Betrachtung und Genehmigung nach der Sonderbauverordnung unterzogen. Es hat auch vom Privatgrundstück des alten Duisburger Güterbahnhofes willkürlich den grössten Teil der Rampen erst gar nicht betrachtet und daher genehigungsfrei gestellt.

Daraus resultieren weitere schwere Versäumnisse:
Das zwischen Karl – Lehr – Strasse entstehende Niemandsland erfüllt nicht nur die Bestimmungen der Sonderbauverordnung nicht. Es wird seitens der Stadt Duisburg überhaupt keiner Betrachtung und Inspektion unterzogen Kein Mitarbeiter des Duisburger Bauamtes wird es sich aus der Nähe ansehen.

Eingesackter Gullydeckel vor der Treppe an der grossen Rampe auf der Loveparade Duisburg 2010

Vom Duisburger Bauamt nicht betrachtet und nicht gesichert: Eingesackter Gullydeckel vor der Treppe an der grossen Rampe auf der Loveparade Duisburg 2010

Daher bleibt auch der eingesackte Gullydeckel am Rampenfuss in der Nähe des Westtunnels und der Treppe unentdeckt und unbearbeitet. Es ist kaum vorstellbar, dass Mitarbeiter einer deutschen Baubehörde ein solches schweres Verkehrshindernis bei einer Begehung übersehen und nicht auf Sicherung z.B. durch eine darüber zu legende Stahlplatte gedrungen hätten. Stattdessen wird dieses gefährliche Loch am Tag der Loveparade durch einen darüber geworfenen Bauzaun völlig unzureichend gekennzeichnet. Es bleibt die traurige Feststellung:
in diese Niederungen des Loveparade Veranstaltungsgeländes hat sich das Duisburger Bauamt wohl nicht begeben.

Dass man dieses Terrain als ausserhalb der eigenen Zuständigkeit begreift, zeigt sich auch an der Begehung und Abnahme am Freitagnachmittag vor der Loveparade. Dazu gibt es im Einleitungsvermerk der Staatsanwaltschaft Duisburg die eindeutige Feststellung, dass die Rampe in diese Begehungen wohl nicht einbezogen wurde, man sich also auf das eigentliche Verstaltungsgelände konzentriert und das gefährliche Niemandsland nicht begangen hat. Wohl betrachtete man dieses „Niemandsland am Rampenfuss“ als öffentliches Gelände und damit relevant für die Rettungswege, aber man überprüfte es nicht aus der Nähe wie das engere Veranstaltungsgelände, für das man sich zuständig fühlte.

So erklärt sich auch, dass mitten auf der Rampe die Bauzäune stehen bleiben, die bis zum Aufbau der Vereinzelungsanlagen  den Ein- und Ausgang zum Loveparadegelände gebildet hatten. Einer der Beschuldigten Mitarbeiter des Bauamtes sagt in seiner polizeilichen Vernehmung:

„Es gab noch einen internen Vermerk von mir vom 21.07.2010. Herr NN5 hatte mir und NN11 gegenüber erklärt, dass die große Rampe bis zur Veranstaltung frei geräumt wird. Im unteren Drittel der Rampe standen immer noch Bauzäune, die, ebenso wie an den Nordbereichen, für die Einlasskontrolle benutzt wurden. Für die Vorbereitung der LP wurden die Zäune auf der Rampe genutzt, (…)um das Gelände einzufrieden und zu schützen. Es erging die Aufforderung an den Veranstalter, die Zäune zu entfernen.

"Alter Eingang" Loveparade Dusibur 2010

Die engste Stelle auf der Rampe: Der stehen gebliebene "alte Eingang" zum Loveparadegelände. "Im Niemandsland" übersehen von der Duisburger Bauaufsicht.

Zu dieser Entfernung kommt es nicht. Dieser ehemalige Eingang zum Loveparadegelände bleibt die engste Stelle auf der Rampe, die später durch die dort aufgestellte Polizeikette traurige Berühmtheit erlangt. Interessant ist, wie man diese Ignoranz organisiert. Gefragt, ob der Bereich der Rampe bei der Bauzustandsbesichtigung am Freitag, den 23. Juli 2010 überhaupt überprüft worden sei, antwortet der Bauamtsmitarbeiter:

„Nachmittags wurde die Rampe nicht kontrolliert, weil die Sondernutzung erst um 18.00 Uhr zum Tragen kam. Abends war ich nicht dabei. Ich gehe davon aus, dass die Sperren auf den Zuwegungsstraßen erst in der Nacht komplett erfolgten und damit die Rampe möglicherweise noch nicht frei war. Da jedoch die Fa. Lopavent sämtlichen Aufforderungen zur Mängelbeseitigung in der letzten Woche umgehend gefolgt ist, bestanden auch keine Bedenken, dass der Hauptzugangsbereich frei geräumt wird.“

Interessant ist die Begründung weil die Sondernutzung erst um 18.00 Uhr zum Tragen kam„. Mit „Sondernutzung“ ist die Nutzung der Karl – Lehr Strasse als Teil der Loveparade gemeint. Oben von der Rampe betrachtet sieht dieser Mitarbeiter diese Zäune also nicht als Teil des von ihm abzunehmenden „Veranstaltungsgeländes“, vielmehr als Teil des „öffentlichen Strassenlandes“, obwohl die Zäune eindeutig auf Privatgelände stehen. Daher fühlt er sich auch nicht für die Entfernung zuständig.

Fazit:
um die Loveparade in Duisburg am 24. Juli 2010 genehmigen zu können, haben Veranstalter und das Duisburger Amt für Baurecht und Bauberatung den zwischen Karl – Lehr – Strasse und Floatstrecke befindlichen Teil der Rampe als „ausserhalb des Veranstaltungsgeländes der Loveparade liegendes Niemandsland“ definiert. Grobe Mängel an diesem Teil des Loveparadegeländes sind daher weder betrachtet, geschweige denn gewürdigt und beseitigt worden. Diese völlig willkürliche „Filetierung des Veranstaltungsgeländes“ lieferte die Besucher  schutzlos und ignorant den Gefahren dieses Teils der Loveparade 2010 aus.
Mit den bekannten Folgen.

34 Kommentare zu Tod im Niemandsland…

  1. Pingback: Presseberichte zur Loveparade Katastrophe

  2. Markus sagt:

    Nur mal zum Vergleich: Wacken 75000 Gäste, Nature One 50000 Gäste, Rock am Ring 80000 Gäste, Loveparade Duisburg 500000 Gäste (in Worten: fünfhunderttausend!)

    Und als Ausgleich dafür, dass so viele Gäste erwartet wurden hat die Stadt die rechtlich vorgeschriebenen Sicherheitsvorschriften sogar ausdrücklich im Genehmigungsdokument für den Antragsteller erheblich reduziert (z.B. bei den Fluchtwegbreiten von 440m auf 155m, also um 65%).

    Zu dem früheren Gastbeitrag „Loveparade, eine illegale Veranstaltung?“ möchte ich an dieser Stelle noch ergänzen, dass, da es sich bei dem Tunnel weder um eine Versammlungsstätte im Freien, noch um ein Sportstadion handelt, die SBauVO hier sogar 3 mal soviel, nämlich 1,2m Rettungswegbreite je 200! Personen vorschreibt (aus gutem Grund 😉

  3. @Lothar Evers und lopachron vom 31. Juli 2011

    Ich hätte hier auch noch ein nettes Bildchen zu bieten. Es unterstreicht eure Punkte voll und ganz!
    Unter http://duisburgamrhein.wordpress.com/2011/07/31/docunews-org-tod-im-niemandsland/ kommentiere ich o. g. Artikel ein wenig – auch mit einem Foto und einer Grafik: http://duisburgamrhein.files.wordpress.com/2011/07/20110601pet1191_kommentiert_mitgrafik.jpg
    Ansonsten: ohne Worte 😉

  4. Lothar Evers sagt:

    Das wichtigste Versäumnis ist ein viel zu kleiner Eingang und Ausgang für die erwarteten Besucherströme. Schon um 13:00 als noch kein Float fährt und wohl kaum jemand nach Hause will, hält Walter im Westen nur 6 von 16 Vereinzelungsanlagen offen, wohl weil es ihm oben an der Rampe schon zu eng wird.

    Und in der Tat: wäre um 15:30 als erstes mit dem Chef der Lopavent Security fällig gewesen um einige der insgesamt ja angeblich über 1.000 Ordner in den Eingangsbereich zu beordern. Oder jeden falls die Pusher zurückzugeben, die Walter vom Rampenkopf abziehen musste um das Livemoderatorenpärchen Pocher / Meyer – Wölden zu schützen. Und der Securitychef hätte dann möglichst Schnell eine Telefonkonferenz mit Polizei, Ordnungsamt und Feuerwehr einberufen und koordiniert gehandelt.

    Bis zum Schluss, gibt es nicht eine Durchsage zur Besuchersteuerung über die Floats. Man verfuhr nach dem Motto: „Egal was im Eingangsbereich los ist: Show must go on…“

  5. Christian Gruber sagt:

    Interessant auch eine Aussage des Prof. in einem Interview: „die Stiege hätte man sprengen…“ eben ohne jemals da gewesen zu sein. Worauf ich ich aber hinaus will. Gravierend ist in meinem Empfinden nicht die Rampe betrachtet als Niemansland. Das vorgefallene Unglück zum Zeitpunkt des Unglücks resultierte aus mangelhafter, fehlender bzw. nicht durchführbarer Kommunikation zwischen Ordner (+Floatsteuerung), Polizei und Krisenstab. Und ohne Kommunikation keine Koordination.
    Bei funktionierender Kommunikation und Koordination bleibt die schwerwiegende Vermutung, das die gesamte Veranstaltungsplanungung in Punkto Besuchermenge und Anreisegeschwindigkeiten wahrscheinlich eben zu einem späteren Zeitpunkt nicht mit den Gegebenheiten funktioniert hätte. Selbst die Besucherstromanalyse von Lopavent selbst zeigt, das die Tunnelkapazität später niemals ausgereicht hätte.
    Der einzige Ausweg wäre gewesen, bereits ab 15.30 alle Besucher über die Floats zu informieren, das das Gelände nur über die Notausgänge verlassen werden soll. Mit der Folge von „ungewollten“ ungeführten Besucher zu- und abströmungen. Ohne der gewollten Glasflaschenkontrolle. Ohne Einfluß auf die Besuchermenge am primären Gelände. Mit behinderten Rettungswegen und gestörtem Bahnbetrieb.Klingt unmöglich und zu dem Zeitpunkt ein hartes Stück für eine geplante Veranstaltung. Den Zustrom unterbinden – wie? Begrenzen, bei der Auslastung an den Vorsperren?

    In den zahlreichen Interviews mit DJs, Ordnern und Helfern spiegeln sich in meinen Augen daneben viele gravierende Versäumnisse wider, und zwar nicht von der befragten Person selbst, sondern von Veranstaltungskonzeptseite:
    Betrachten wir mal das geistige Niemandsland:
    – Unterweisung der Ordner der Vereinzelungsanlagen: Von so starkem Andrang das einer zügiger machte bis hin zur Ordnerin, die nicht mal wusste wo der Ausgang vom Gelände ist.
    – Nach den Todesfällen wusste ein DJ nicht ob er auf dem Float weiter Musik auflegen soll, er hat dann das gemacht, was er geglaubt hat das das richtige sei. Was wäre passierte wenn er sich falsch entschieden hätte? Zu so einer Situation darf es niemals kommen!
    – Besucher sprachen davon, das sie nicht umkehren durften.
    – Der leitende Notarzt sprach davon, das er nicht mal alle Sanitätstellen anfahren kann, von Funkgerät ganz zu schweigen.

    Zuletzt frage ich mich seit einem Jahr, der Crowdmanager hat ja um 15.30 (soweit ich mich erinnere) erkannt, das er die Besucherströme nicht mehr unter Kontrolle hat. Warum ruft (bzw. probiert) er da die Polizei, oder direkter formuliert es gab ja einen Krisenstab, wann hat der davon erfahren und was gemacht.

  6. Lothar Evers sagt:

    Genau:
    darüber, wer den „Zugang zum Gelände durch den Tunnel Karl-Lehr-Straße“ (…) einer „detaillierteren Betrachtung“ unterziehen müsste, erfahren wir aus Professor Schreckenbergs Stellungnahme leider nicht. Er wohl jedenfalls: nicht…

  7. Markus sagt:

    Wie heißt es doch so schön … Fakten, Fakten, Fakten

    Zitat: […] Allerdings kommt dem Zugang zum Gelände durch den Tunnel Karl-Lehr-Straße eine besondere Rolle zu, die in jedem Falle detailliertere Betrachtung benötigt […]

    Quelle: E-Mail 17.7.2010 von Schreckenberg an Stadt

  8. Lothar Evers sagt:

    Wobei es ein wirkliches Gutachten durch Schreckenberg nicht gegeben hat. Schon gar nicht zu diesem Terrain. Schreckenberg hat sich die Konzepte anderer angesehen und gegengeprüft. Insbesondere das Entfluchtungsgutachten von traffgo.

  9. Christian Gruber sagt:

    Hallo. Interessante Gedankengänge.

    Was man aber nicht vergessen darf ist das Gutachten von dem Herrn Schreckenberg, welches ja in Auftrag gegeben wurde. Ich glaube von der Stadt – oder war es doch Lopavent – jedenfalls wurde einiges an Geld in die Hand genommen, um die Situation im Tunnel und der Rampe genehmigt zu bekommen. Umkehrschluss daraus das Niemandsland war bekannt. Genehmigt mithilfe eines Gutachten, das ohne Ortsbegehung erstellt wurde.

  10. Daphne sagt:

    ..her. *g* 😉

  11. Daphne sagt:

    Die Filetierung (Feld F) hatte ja den Sinn, die nicht vorhandenen aber für Veranstaltungsflächen erforderlichen Notausgänge im Tunnel/Rampenbereich unter den Tisch fallen zu lassen … aber unabhängig von „eigentlichen“ Veranstaltungsgelände im Sinne der Genehmigung (ab Feld F), gab es ja diese Herrichtungsvereinbarung inkl Zu- & Abwegungen, wo die Stadt (welche Behörde auch immer) Kontrollinstanz war, so sie denn in diesen Vertrag mit eingebunden war, wie Lopavent behauptete. Will sagen, schon aufgrund dieser Vereinbarung kann die Stadt sich nicht für unzuständig erklären, Filetierung hin oder.

  12. Lothar Evers sagt:

    Doch, seitens des sich nicht zuständig fühlenden Bauamtes wohl. Das hatte ja das ganze Loveparadegelände auch nach aurelis und Lopavent abzunehmen. Hat aber diese Niemandsland ausgespart. Bei einer der letzten Begehungen ist ein Gully auf dem (engeren) Veranstaltungsgelände entdeckt und repariert worden. Aber hier im Niemands land schaute von der Stadt Duisburg niemand mehr hin. Warum das Lopavent und aurelis nicht hin bekamen ist eine andere Frage. Aber hier zum Schluss bei der Abnahme war die Stadt zuständig und machte sich unzuständig.

  13. Daphne sagt:

    Ich lenke nicht ab. Ich meine nur, dass die Nicht-Entdeckung des maroden Kanaldeckels (auf den Du Dich ja beziehst) nicht unmittelbar mit der „Filetierung“ des Geländes zu tun hatte… weil es ja diese gesonderte Herrichtungs-Vereinbarung zwischen Aurelis/Lopavent/Stadt gab, die sich auf das Gesamtgelände inkl. Zu- und Abwegung bezog. Und klar, wenn Lopavent und/oder die Stadt das Gesamtgelände so abgenommen haben, ist aurelis aus dem Schneider… und wenn sie es so nicht abgenommen haben, hätte die Veranstaltung halt nicht stattfinden dürfen.

  14. Lothar Evers sagt:

    Daphne, wir spekulieren hier rum und lenken von der Verantwortlichkeit von Lopavent und Bauamt ab. Es hat deutlich vor der Übergabe an Lopavent eine Übergabe zwischen Aurelis und Lopavent gegeben. In keinem der späteren Treffen sitzt Lopavent am Tisch. Was immer Inhalt der Abnahme zwischen Lopavent und aurelis gewesen ist. Der Gully war entweder noch nicht kaputt oder man hat ihn (ebenfalls) übersehen. aurelis hat jedenfalls in diesen letzte Tagen mit dem Gelände nichts mehr zu tun. Irgendwo habe ich den Tag der Übergabe auch stehen. Oder frage noch mal nach.

  15. Daphne sagt:

    Siehe auch hier „Schutz vor Personenschäden“
    http://htmlimg1.scribdassets.com/4bcvef8m80mzvw0/images/3-82b0516342/000.jpg
    http://htmlimg1.scribdassets.com/4bcvef8m80mzvw0/images/3-82b0516342/000.jpg

    Das steht sogar geschrieben, dass sich Aurelis nicht nur gegenüber Lopavent, sondern auch ggüber der Stadt verpflichtet, „sämtliche bauliche Maßnahmen zur veranstaltungstauglichen Herrichtung des Gesamtgeländes zu übernehmen und die Fläche fristgerecht bis Mitte Juni fertig zu übergeben.“ Und das nach Beendigung der Arbeiten eine gemeinsame (also inkl. der Stadt) Begehung zwecks Überprüfung stattfinden soll.

  16. Daphne sagt:

    „2.1) Herrichtung Veranstaltungsgelände
    Das Veranstaltungsgelände war weder verkehrssicher noch veranstaltungsgeeignet. Der Grundstückseigentümer (aurelis Real Estate…) hat sich bereit erklärt, die grundlegenen Herrichtungsmaßnahmen zu übernehmen, die die eigentlichen veranstaltungspezifischen Vorbereitungen des Veranstalters auf dem Gelände ermöglichen. Veranstalter und Grundstückseigentümer schließen über die Herrichtung und Nutzung einen Vertrag ( Durchführungsvereinbarung).
    Den Herrichtungsmaßnahmen für das Veranstaltungsgelände liegt der Flächenplan Ref14_LP 2010 Nutzflächen“ vom 13.05.2010 zu Grunde (s. Anlage 01). In diesem Plan sind alle VEREINBARTEN (MIT AURELIS, denn darum gehts doch hier…) Maßnahmen we folgt farbig markiert:
    1,2,3,4
    5 Haupt zu- & Abwegung : Frei begehbare, ebene Fläche auf maximaler Breite. (…) Um einer größtmöglichen Besuchermenge gleichzeitig die Möglichkeit zu geben, die Ein- und Ausgänge zu nutzen, werden in diesem Bereich SÄMTLICHE HINDERNISSE BESEITIGT. In diesen Maßnahmen sind INSBESONDERE (also nicht ausschließlich) folgende Arbeiten enthalten:
    Entsorgung der Wellblechhütten im Haupteingangsbereich“ (Rampe!)
    etc.

    Das war m.E.n. eindeutig die Augabe von Aurelis… in Vereinbarung mit oder im Auftrag von Lopavent…

  17. Lothar Evers sagt:

    Daphne, wie kommst Du auf Aurelis?
    Die machen nur das Grundlegende; Lopavent das Veranstaltungsspezifische. Aurelis hat nur eingeebnet und war zu dem Zeitpunkt längst nicht mehr auf dem Gelände. Die detailliert beschriebenen Massnahmen sind nicht von aurelis, sondern von Lopavent zu leisten.

  18. Daphne sagt:

    Seite 3 und 4 (Punkt 2.1) geben doch Aufschluss…
    http://mirror.wikileaks.info/leak/loveparade2010/loveparade-2010-anlage-10-veranstaltungsbeschreibung-lopavent-28-05-10.pdf

    Aurelis war mit den Arbeiten derbe im Verzug, sonst hätte am Samstag Vormittag nicht noch planiert werden müssen. Und nur weil dieser Kanalschacht nicht explizit erwähnt wurde, bedeutet das doch nicht, dass Aurelis sich nicht darum zu kümmern hatte. Der Begriff „Stolperfallen“ wird ja an anderer Stelle sogar erwähnt.

  19. Lothar Evers sagt:

    Diese massnahmen sind in meinem Dokument nicht aufgezählt. Gehe aber kaum davon aus, dass da steht „1 Gully am Rampenfuss reparieren“ und dann hat aurelis es nicht gemacht und Lopavent hat es nicht gemerkt…
    Nein:
    dieses Niemandsland – Terrain war zwischen Bauamt und Lopavent kein Veranstaltungsgelände.
    Befassung, Genehmigung und Sicherung daher: verzichtbar…

  20. Daphne sagt:

    „(..) abgesehen von den Herrichtungsmaßnahmen gemäß Ziffer 1.3 (..)“

    Aber genau das ist doch der entscheidende Punkt und auch bindend oder nicht..?

  21. Lothar Evers sagt:

    Das teilt Lopavent mit.. Im Detail sind die Herrichtungsmassnahmen umschrieben aber nicht veröffentlicht..
    Der Vertrag zwischen aurelis und Lopavent bestimmt jedoch unabhängig davon:
    „Das Veranstaltungsgelände wird der Veranstalterin -abgesehen von den Herrichtungsmaßnahmen gemäß Ziffer 1.3 -übergeben wie es steht und liegt. Die Eigentümerin haftet insoweit weder für eine bestimmte Beschaffenheit des Veranstaltungsgeländes noch für seine Eignung zu dem von der Veranstalterin verfolgten Nutzungszweck. Insbesondere die auf dem Veranstaltungsgelände befindlichen baulichen Anlagen (einschließlich der großen Güterhalle) sind ggf. baufällig und für eine Nutzung nicht oder nur in Teilbereichen geeignet. Dies gilt auch für die ggf. mangelnde Statik vorhandener Brücken sowie das Vorhandensein von Kabelkanälen und sonstigen Hindernissen, die im Falle des Betretens des Geländes zu einer Verletzungsgefahr führen können. Der Veranstalterin ist die Beschaffenheit des Veranstaltungsgeländes aufgrund mehrerer Ortsbegehungen und aufgrund der Einsicht in die von den anderen Parteien zur Verfügung gestellten Dokumenten umfassend bekannt. Die Eigentümerin hat die Veranstalterin im Ubrigen auf etwaige geländespezifische Gefahren hingewiesen.“

  22. Daphne sagt:

    Aber für die Geländeherrichtung („Gesamtgelände“ einschließlich Zu- & Abwege) war ja eindeutig die Aurelis verantwortlich, siehe hier
    http://www.scribd.com/doc/36050087/A11-Interner-Entwurf-Veranstaltungskonzept

    und hier
    http://mirror.wikileaks.info/leak/loveparade2010/loveparade-2010-anlage-10-veranstaltungsbeschreibung-lopavent-28-05-10.pdf

    Eigentlich gibts doch da nix zu deuteln. Und da Lopavent mit der Aurelis eine „Durchführungsvereinbarung“ hatte, hätte doch in erster Linie Lopavent die Arbeiten, die bis Mitte Juni hätten abgeschlossen sein müssen, kontrollieren müssen…?

  23. Lothar Evers sagt:

    Das Zitat aus der Besprechung vom 25. 6.2010 lautet:
    „Herr Dr. Jaspers hatte eine telefonische Rücksprache bei Herrn MR Rübel vom Ministerium für Bauen und Verkehr in NRW. Dieser hat ihm bestätigt, dass eine Fluchanlyse (sic!) die Möglichkeit bietet Verdichtungen von mehr als zwei Personen je qm im Bereich vor den Szeneflächen etc. und die daraus resultierenden Entfluchtungsströme mit den dazugehörigen Ausgangsbreiten und Rettungswegflächen konkret darzustellen. Daraus kann dann evtl eine erforderliche Abweichung zur SBau VO Teil 1 formuliert werden.“

  24. Markus sagt:

    Bevor es zur Legendenbildung kommt 😉

    Zitat „Rübel hatte Herrn Dr Jaspers, dem späteren Ersteller der Brandschutzkonzeptes bestätigt, dass man mit einer Entfluchtungsanalyse höhere Besucherzahlen als die nach SBauVo vorgesehenen “zwei pro Quadratmeter” genehmigen könne.“

    Schauen Sie da bitte nochmal genau nach … Ich meine mich erinnern zu können, dass das Bauministerium davon sprach dass, sinngemäß, „an bestimmten Stellen (vor der Bühne, an Ständen, Szeneflächen usw.)“ mehr als 2 Personen pro m² möglich seien. Das ist etwas völlig anderes und heißt nicht!, dass der Durchschnittswert von 2 überschritten werden darf.

  25. Lothar Evers sagt:

    Wie versprochen habe ich noch mal mit aurelis korrespondiert. Die Antwort kam prompt und ist eindeutig:
    „Die Rampe einschließlich der Treppe bis zur Einmündung in die Karl-Lehr-Straße befindet sich im Eigentum von Krieger. Der Zaun ist dort deshalb nicht gezogen, weil der Zugang zu einem dahinter liegenden vermieteten Objekt gewährleistet sein muss.“

  26. Kai Abrell sagt:

    Die Analyse ist hervorragend und erklärt einige der ansonsten unverständlichen Hergänge bei der Loveparade.

    Das beschriebene Niemandsland hätte in der Planung an mehreren Stellen auffallen müssen:
    1. bei der Evakuierungsplanung – diese musste gemacht werden. Veranstaltungen dieser Größe sind (z.B. bei einer Bombendrohung) sehr schwer zu evakuieren. Deswegen muss hier besonderer Aufwand getrieben werden.
    2. im Sicherheitskonzept – Einlässe sind als kritisch bekannt. Zudem wusste der Veranstalter, dass er selber betrügerisch überhöhte Besucherzahlen prognostiziert hat und dass die beteiligten Behörden diese Lüge vorsätzlich ebenfalls kommunizieren werden. Der Veranstalter musste also mit einem zu hohen Besucherandrang rechnen, wenn die entsprechende Werbung zu viele Besucher anlockt. Das Sicherheitskonzept musste also unbedingt einen zu hohen Besucheranstrom berücksichtigen. Die Einlasssituation war also dringend sehr gründlich zu planen und zu prüfen.
    3. in der Einsatzplanung für den Ordnungsdienst – selbst bei eindeutig rechtswidriger Ausweisung als Niemandsland musste der Einlass operativ betreut werden. Die Einsatzpläne für jeden Abschnitt müssen die Grenzen zu den benachbarten Abschnitten klar bezeichnen und auch operativ Schnittstellen schaffen. Wenn Hundertausende Menschen von einem Ordnungsdienst kontrolliert über ein großes Gelände gesteuert werden sollen, fällt ein Niemandsland in der Planung sofort auf. Im gesamten Gelände müssen die Zuständigkeiten klar geregelt sein.
    4. bei der technischen Planung – der technische Leiter der Lopavent muss einen Überblick über das gesamte Veranstaltungsgelände haben und die nötigen Planungen, Ausschreibungen, Bauarbeiten und Abnahmen koordinieren. Im Niemandsland sind Leitungen verlegt worden, Ordner beauftragt worden und SEHR SCHLAMPIG Löcher und ein offener Gullydeckel abgedeckt worden. Das sehr schlampige Abdecken des Gullydeckels zeigt, dass man sich der Gefahr bewusst war – nur halt grob fahrlässig mit Inkaufnahme von Toten und Verletzten mangelhafte Maßnahmen ergriffen hat.

  27. Lothar Evers sagt:

    Es kann gut sein, dass dieser neue Zaun dort steht, weil Krieger erst gar nicht in den Verdacht kommen wollte, den Ort der Loveparade Katastrophe zu begrenzen oder zu kontrollieren.
    Von dem Gerücht habe ich gehört. Nehme an es rührt daher, dass man statt im Grundbuch im Kataster recherchiert hat. Da war ich selbst vor einiger Zeit, weil ich überprüfen wollte, ob das Feld „F“ mit irgendwelchen Flurstücken oder topografischen Merkmalen korrespondiert. Das ist nicht der Fall.
    Dagegen spricht:
    im Kataster ist diesem Feld keine eigenen Nummer zugewiesen, auf die das Grundbuchamt oder ein Kaufvertrag Bezug nehmen könnte.
    Es wäre (ohne Eintragung eines Wegerechtes) für Krieger ein grosser Nachteil, da ihm eine wesentliche Einfahrt zum Gelände nicht gehört.
    Er müsste auch bei der geplanten „Deckelung“ einen Teil überbauen und nutzen, der ihm nicht gehört.
    Eine Beteiligung zum Bebauungsplan wäre nicht korrekt, wenn uns nicht alle Eigentümer genannt und ggf. beteiligt werden.
    Duisburg Marketing hätte dann für den Jahrestag nicht mit Krieger und „Never Forget“, sondern (auch) mit Aurelis Vereinbahrungen treffen müssen.
    Da ich mit deren Pressestelle in der Vergangenheit gut klar kam, werde ich aber da noch mal nachfragen.

  28. parcelpanic sagt:

    man kann glauben wollen, der neue, grüne zaun, der das gelände heute einfriedet wäre dort aufgestellt, damit die (provisorische) Gedenkstätte begehbar bleibt.

    man kann aber auch ein indiz darin sehen, wo das Gelände nun abgetrennt ist könne schon vorher als grenze gegolten haben. die gerüchte, das grundstück von der bürgersteiggrenze bis zum neuen zaun gehöre noch Aurelis verstummen nicht. und auf antworten aus dem Rathaus werden wir vergeblich warten.

    Saubere Arbeit, Herr Evers. respekt!

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  30. Lothar Evers sagt:

    Das „pflichtgemäss“ ziehe ich vor allem aus der einheitlichen Umzäunung des Geländes. Es spielt für die Abnahme des Veranstaltungsgeländes als „Versammlungsstätte“ ja keine Rolle, ob der Grund ursprünglich in öffentlicher oder in privater Hand liegt. Entscheidend ist die Nutzung als Versammlungsstätte, die Anzahl der erwarteten Besucher und die Umzäunung.
    Es wird nicht ein einzelner Mitarbeiter gewesen sein, der die Entscheidung zur „Filetierung“ getroffen hat. Vielmehr wird schon früh klar gewesen sein, dass das gGelände als ganzes betrachtet an zu vielen Stellen aufgrund nicht vorhandener Rettungswege nicht genehmigt werden kann. Da man aber die Veranstaltung nicht aus eigener Verantwortung für die Versagung der Erlaubnis zuständig sein wollte hat man -wohl im Konsens aller Beteiligten- Wege der „Nichtbefassung“ für diese kritischen Teile geschaffen und damit im Wortsinne „verantwortungslos“ gehandelt:
    „Was nicht passt, wird passen gemacht.“
    Jost Rübel vom Bauministerium NRW kann man für diese Strategie nicht verantwortlich machen. Rübel hatte Herrn Dr Jaspers, dem späteren Ersteller der Brandschutzkonzeptes bestätigt, dass man mit einer Entfluchtungsanalyse höhere Besucherzahlen als die nach SBauVo vorgesehenen „zwei pro Quadratmeter“ genehmigen könne.

  31. Blue sagt:

    War das der Tipp von diesem H. Rübel (oder so ähnlich, im Ministerium)?

    Du schreibst:
    Die nach der Sonderbauverordnung angemessene und pflichtgemässe Vorgehensweise wäre es gewesen, das Gelände einheitlich als “Versammlungsstätte” zu betrachten, begrenzt durch die Ein- und Ausgänge und die Zäune. Gleichgültig, ob es sich um “öffentliches Strassenland mit Sondernutzung für die Veranstaltung” oder um “Privatgelände” handelt. Das Bauamt der Stadt Duisburg hat stattdessen das öffentliche Strassenland zwischen den Vereinzelungsanlagen “Ost” und “West” keiner Betrachtung und Genehmigung nach der Sonderbauverordnung unterzogen.

    Das kam ja schon früher mal zur Sprache. Inwieweit ist sicher, dass diese Filetierung ohne Rechtsgrundlage war, wie du mit „nicht pflichtgemäß“ ausdrückst? Ich meine, die scheinen sich doch in der Rechtmäßigkeit dieser Lösung sicher zu sein.

    Wenn der Mitarbeiter, wie du das darlegst, tatsächlich gezielt so die Abnahme vorgenommen hat, dann muss der ja – ich übertreib’s mal – regelrecht dafür gedrillt worden sein. Es mag ja Leute geben, die das ganz schnell können, aber ….
    Na ja , vielleicht wurde das nur für die Polizei so eingeübt.

    Also nach dieser Darstellung wäre ein rechtlicher Trick die Ursache? Aber Lopavent war doch unabhängig von dieser, zwecks Genehmigung vorgenommenen Trickaufteilung dennoch für das Ganze zuständig. Die können sich da doch nicht rausschleichen.
    Tja solch ein Durcheinander,… so kann man den Rechtsstaat missbrauchen, wenn man mit Gesetzen losgelöst vom Menschen hantiert.
    Strafrechtlich ist das also unter Umständen nicht zu packen?

    Womit untermauerst du das „pflichtgemäß“?

  32. lopachron sagt:

    So sah der Rampenkopf annähernd in der planerischen Realität aus:

    http://img221.imageshack.us/img221/9908/rampenkopf.jpg

    Ich habe mir erlaubt, in der WDR-Montage noch die Zäune (welche später niedergerissen wurden) mit den 2 dicken blauen Linien darzustellen.

    Vgl. auch Lopavent-Kamera 12 ab 15:20:
    Ein linksseitiger Abfluss war da schon aussichtslos. Rechtsseitig konnten n.m.E. situationsabhängig 10 bis zu 20 Meter genutzt werden.

  33. Lothar Evers sagt:

    Genau!
    Bei allen Plänen des Baugenehmigungsverfahrens fällt auf, dass die Floatstrecke nicht eingezeichnet ist. Die Verengung in Feld „F“ durch die kreuzenden Floats schafft eine noch erheblich engere Eingangssituation als der nicht abgebaute „alte Eingang. Exakt hier oben entsteht der Personenstau, der sich binnen Minuten nach unten auf die Rampe und in die Tunnel fortsetzt.

  34. lopachron sagt:

    Toller und treffender Artikel. Vielen Dank!

    Allerdings sind diese Pläne (sind ja nicht Ihre) bezogen auf den oberen Rampenbereich genauso falsch bzw. veraltet, wie diese Darstellung hier: http://www.dokumentation-loveparade.com/kameras/

    Immerhin ist der obere Rampenkopf innerhalb des „Feldes F“.
    Somit gab es dort eine (anzunehmende) verantwortliche Zuständigkeit, welche(r) der Durchfluss pro Stunde augenscheinlich „piepegal“ war. Und die Ursache der Katastrophe liegt m.E. genau in diesem Feld F!

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