Krisenstab versenkt…

Im Moment decken uns alle Verantwortlichen der Loveparade mit reichlich Material ein. Oft sind es juristische Gutachten, die die Verantwortlichkeiten präzisieren sollen (FDP-Fraktion Landtag NW, Stadt Duisburg, Innenministerium NW) Oft gibt es aber auch neues Material, das man als Einzelkämpfer erst mal sichten muss. Da sind wir noch bei, haben schon einige Rückfragen gestellt und werden noch im Laufe der Woche mit weiteren Analysen herauskommen.

Heute pünktlich zur Duisburger Ratssitzung in einer Stunde aber ein besonderes Schelmenstück der Stadt Duisburg, wohl kaum ohne Wissen der Verwaltungsspitze, also OB Adolf Sauerland, Stadtdirektor Dr. Peter Greulich, Rechts- und Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe, sowie die „gutachternden“ Rechtsanwälte Dr Ute Jasper und Andreas Berstermann der Sozietät „Heuking Kühn Lüer Wojtek„. Die haben gemeinsam „Krisenstab versenken“ gespielt.

Wir erinnern uns: Rechtsdezernent Wolfgang Rabe, war schon öfter in unseren Recherchen nicht unbedingt als Hüter des Rechts sondern als „OB Sauerlands voice“ begegnet. In bleibender Erinnerung bleibt sein Auftritt als Überraschungsgast bei den Beratungen zum Bauantrag, das juristische Vokabular um die Vokabel „absegnen“, bereichernd. Rabe war neben seinem Chefabsegner Professor Michael Schreckenberg von der Duisburger Universität derjenige, der die Mär von „die Toten sind selber schuld“verbreitete.
So noch am Samstagabend in einer Liveschaltung in die Tagesthemen. Oder (ab Minute 3:20, 5:20) in dieser hervorragenden Dokumentation von ZAPP: Eigentlich ist Rabe mit dem Label „Chef des Krisenstabes“ gut gefahren bisher, hat seine Rolle beim Entstehen und absegnen der Loveparade bestens verschleiert. Jetzt, wo klar wird, dass man ab ca 15:00 deutliche Hinweise auf die Überfüllung des Sektors V1 (von den Vereinzelungsanlagen Ost und West bis zum Ende der Rampe an der Floatstrecke) hatte, scheint auch die Rolle als Krisenstabschef für ihn eher zur Last zu werden. An zu vielen Telefonkonferenzen war er beteiligt. Über deren Inhalt sagt er nichts. Massnahmen scheint Rabe nicht erwogen geschweige denn eingeleitet zu haben. Ihm und seinem Ordnungsamt oblag nämlich die Entscheidung, das Veranstaltungsgelände zu schliessen. Sektor V1 war spätestens ab 15:00 mehr als voll und man konnte zusehen, wie alle Konzepte ihn wieder leer zu bekommen versagten.

Das soll man nach dem Wunsch der Stadt Duisburg und Ihrer eingekauften Anwaltssozietät nicht wahrnehmen. Wie sonst lässt sich erklären, das folgende Absätze aus dem 35 Seiten langen Zwischenbericht von Dr Jasper und Herrn Berstermann für die Stadt Duisburg im fast vier mal so langen und gerade von Stadtdirektor Dr. Peter Greulich präsentierten und von OB Adolf Sauerland dem Landtagsinnenausschuss vorgelegten Endbericht einfach verschleiernd gestrichen wurden:

„Um 10:00 Uhr nahm der Krisenstab der Stadt Duisburg seine Arbeit auf. Der Krisenstab verfügte über die gesamte Kompetenz der Stadtverwaltung. Zudem oblag ihm die Abstimmung mit den Einsatzleitungen anderer Behörden und Aufgabenträger bei Maßnahmen, die nicht in der alleinigen Kompetenz der Stadt Duisburg liegen. Darüber hinaus übernahm der Krisenstab die Öffentlichkeitsarbeit. (…) Die erste Lagemeldung des Krisenstabes der Stadt Duisburg erging um 12 Uhr. Sie enthielt keine besonderen Vorkommnisse. (…) Um 17:00 fand eine Telefonkonferenz zwischen den Einsatzleitern statt, an der auch der Krisenstab der Stadt Duisburg teilnahm und in der der überfüllte Zugangsbereich thematisiert wurde. Beschlossen wurde, den Notausgang Nord für abwandernde Besucher zu öffnen “ (…) Nachdem die Lage im Zugangsbereich des Veranstaltungsgeländes ausser Kontrolle geraten war und um 17:02 erste Todesfälle bestätigt wurden, veranlasste der Krisenstab die Öffnung von Notausgängen über die A 59 sowie über einen Ausgang im Norden des Geländes.
(…)
Die Sondermeldung des Krisenstabes um 18;45 führte hierzu aus, dass der Karl-Lehr-Tunnel leer sei und zur Zeit nicht mehr freigegeben werde. Die Notausgänge über die A 59 und im Norden über den Tunnel Koloniestrasse seien geöffnet worden. Noch anreisende Besucher würden über die städtische Beschallungsanlage zur direkten Wiederabreise aufgefordert.

Alle diese noch im Zwischenbericht zu findenden Aktivitäten des Krisenstabes, sind in der Endfassung gestrichen. In dieser bereinigten Fassung beginnt (und endet) die Arbeit des Krisenstabes mit einer Aktivität, die im Zwischenbericht nicht erwähnt wird:

Um 18.15 Uhr entschied der Krisenstab, dass die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen fortgeführt werde.

Die Originalpassagen finden sich auf den Seiten 28 ff des Zwischenberichtes, sowie den Seiten 79 ff des Abschlussberichtes (Sachverhalt).

Seit der Vorstellung dieses Abschlussberichtes beschleicht mich ein unguter Gedanke:
die Duisburger Verwaltungsspitze verhält sich wie die Nomenklatura der DDR. Sie hat sich von der Wahrheit und der Duisburger Bevölkerung umfassend entfernt, scheut vor Lügen und Fälschungen nicht zurück. Das hätte ich hier, „tief im Westen“ so für unmöglich gehalten.
Hoffentlich sehen wir bald die Initiatoren einer Bürgerbewegung in Duisburg: Ein offenes Wort, ein runder Tisch und darauf: die Wahrheit…
Bitte
!

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