Mahnmal eingeweiht: eine Zwischenbilanz…

Am vergangenen Sonntag, den 26. Juni hat Alt Oberbürgermeister Josef Krings in Duisburg das mahnmal für die Opfer der Loveparade eingeweiht. Dazu hat Lothar Evers, auf Xtranews in folgendem Kommentar eine Zwischenbilanz gezogen:

Erinnern, eine Zwischenbilanz…

Das Mahnmal zur Erinnerung an die Loveparade – Katastrophe ist heute an die Duisburger Bürger übergeben worden. Xtranews berichtete. Das ist eine gute Gelegenheit eine Zwischenbilanz zu ziehen und sich Gedanken über die nächsten Schritte zu machen, auch einige der im Raum stehenden Kontroversen deutlich zu benennen. Es bleibt nämlich keine Zeit, sich auf den Lorbeeren der Mahnmalseröffnung auszuruhen. Wichtige Entscheidungen werden über den Sommer vorbereitet und wohl zum Jahresende zu Ratsbeschlüssen führen. Ein Kommentar von, Lothar Evers…

Auch heute konnte man deutlich spüren, dass die Bewertung der Ereignisse, derer mit dem Loveparade – Mahnmal gedacht werden soll alles andere als leicht fällt. Die Verwaltung der Stadt spricht konsequent vom „Loveparade Unglück“ manchmal auch von „Tragödie“.  Wenn ich nichts überhört habe, ist diese auch die Begrifflichkeit, die die Initiatoren des Spendentrauermarsches pflegen.

In gewissen Sinne findet sich diese nicht eben klare Positionierung gegenüber den Ereignissen auch in der Aufschrift des Mahnmals wieder: „…und fanden den Tod…“. Schaut man wo der Begriff „den Tod finden“ statt „sterben“ in der Alltagssprache benutzt wird, so stösst man auf Gefahren geneigte Sportarten wie „Bergsteigen“ und „Rally fahren“ , bei deren Ausübung man  den Tod finden kann. Das will man den Ravern ja wohl kaum unterstellen.

Die häufigste Verwendung des Begriffes findet jedoch durch ein tierisches Quartett statt, dass sich seinem geplanten Ableben erfolgreich widersetzt. „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall“, lautet die Parole jener Ausgestossenen, die als „Bremer Stadtmusikanten“ spätere Berühmtheit erlangten, eben dadurch dass sie statt den Tod etwas Besseres fanden.

Mir gefällt die Widmung des Mahnmals nicht wirklich gut. Aber diese Kritik verblasst, angesichts des beeindruckenden partizipativen Prozesses, dass zu seiner Entstehung führte. Ein Zusammenschluss bürgerschaftlicher Gruppen und Vereine sammelte das Geld und startete die Initiative. Die Jury unter Vorsitz von Josef Krings war breit besetzt und integrierte Hinterbliebene und Verletzte der Loveparade Katastrophe. Alle Duisburger Künstler konnten sich beteiligen.  Die Auswahl des Preisträgers erfolgte -nach und trotz der Plagiatskrise um den Entwurf von Jürgen Meister– einstimmig.
Auch in der Realisierung des Mahnmals setzte sich dieses Engagement fort. Auszubildende der Thyssen Krupp AG, realisierten das Projekt in enger Kooperation mit dem Preisträger  „Gerhard Losemann“. Und -zurück zur Sprache- erneut fand Alt OB Josef Krings die richtigen Worte, als es heute galt, das Mahnmal zu eröffnen. Statt vom Ort des Unglücks spricht Krings vom Tatort und reflektiert damit, dass allein 16 städtische Angestellte bei der Staatsanwaltschaft als Beschuldigte geführt werden. Taten zum Tod führten, der eben nicht gesucht und gefunden wurde.

Parrallel und vielleicht auch im Windschatten der „Initiative Spendentrauermarsch“ haben Stadt Duisburg und Möbelunternehmer Krieger gezeigt, dass Beteiligung der Bürger und breite Partizipation in Duisburg alles andere als selbstverständlich sind.  Gemeinsam haben sie ohne jede Beteiligung der Hinterbliebenen und Verletzten der Loveparadekatastrophe von August 2010 bis April 2011 den Entwurf eines Bebauungsplanes für den alten Duisburger Güterbahnhof erarbeitet. Ein ursprünglich südlich der Karl Lehr Strasse vorgesehenes Möbelhaus, steht jetzt so, dass der „historische Ort“ der Loveparade Katastrophe unter ihm verschwinden, also vernichtet würde.

Bei den Veranstaltungen zum Jahrestag am 24. Juli 2011 werden wir erleben, dass man neben einem Mahnmal auch den „historischen Ort“ zum Gedenken und zum Trauern braucht. Wir werden mit den dann gemachten Erfahrungen auf das Thema zurück kommen. Die Beteiligten des Prozesses von August bis April waren und sind offensichtlich davon ausgegangen den Betroffenen die Form und Kultur ihres Gedenkens vorschreiben zu können.
Das ist inzwischen nicht mehr der Fall, seit diese sich mit dem „Appell der Hinterbliebenen und Verletzten der Loveparade-Katastrophe und ihrer Angehörigen: …den Ort des Leidens und der Trauer nicht zerstören…“ zu Wort gemeldet haben.  Erstunterzeichner sind ausschliesslich Hinterbliebene, Verletzte der Loveparade – Katastrophe und deren Angehörige.
Bleibt zu hoffen, dass die Initiatoren des Mahnmals und der Bürgerkreis Gedenken deren Anliegen aufgreift und unterstützt.

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3 Kommentare zu Mahnmal eingeweiht: eine Zwischenbilanz…

  1. Und leider gibt es noch immer Zweispalt/Zwietracht.. :-/
    Divide et impera http://de.wikipedia.org/wiki/Divide_et_impera dachte ich als ich die Kommetaren am
    http://duisburgamrhein.wordpress.com/2011/08/28/ein-abend-an-der-rampe/
    las.

    Ganz traurig.. :-/

    Mein Antwort (und ich hör gleich wieder auf damit, meiner Kenntnis ist zu klein):

    Vergib mir, dass ich das nicht verstehe.

    Warum verschwendet man seine Kräfte mit Details wie die Zahl der Bären, Amphoren oder Foto’s? Selbstverständlich werden die da sein: die gibt es am jedem Ort der Trauer und des Gedenkens. So bald es die nicht mehr gibt, hat man die Opfer vergessen.

    Ihr allen habt das selbte Ziel: das Ort behalten.

    Ich habe das alles gelesen, http://www.xtranews.de/2011/06/26/gedenken-eine-zwischenbilanz/ und ich sehe da kein Widerspruch, auch nicht im Appell. Selbstverståndlich kann man sagen: du verstehst Unsere Sprache nicht. Naturlich, ich habe es gelesen mit einem Diktionär.

    Laut meinem Diktionär sagt Evers …nur daß er selber/einige Leute ein andere Geschmack haben: they are not very fond of bears etc. Aber Lothar Evers sagt nicht daß er (oder diese Leute) die Rampe abräumen lassen wollen.

    Vielleicht habe ich einige Foren nicht gesehen, aber auch wen ich via Google „roh und ungestaltet“ suche, finde ich nicht die Wørter von Lothar Evers selber, nur anderen die …behaupten daß er das sagt 🙁

    Mich scheint es sehr sehr traurig daß es Leute gibt die denken daß Evers die Rampe abräumen lassen wollen. „Men lijdt het meest, onder het lijden dat men vreest,“ sagt man hier zu solchen situationen, „Man leidet am meisten unter dem Leiden daß man fürchtet (das aber nicht da ist.)“

    Was wirklich da ist, ist ein Peter Gruelich, mit Pläne um dort ein Möbelhaus zu bauen. Aber darüber geht es nicht, eine verpasste Gelegenheit. Man soll zusammen streiten um das Ort zu behalten. Nicht diskussieren über die Pläne von Gruelich c.s. aber nur streiten um die Gestaltung des Ortes, ist eine verschwendung von Kräfte.

    Auch von meine Kräfte, by the way… ;-}

    Hast Du mit Lothar Evers gesprochen was er daruber sagt? Vielleicht wäre das eine gute Idee mit ihm zu reden. Ich bin wirklich die letzte Person die Exegese machen kan von Texte wie dem Appell oder die Wörter Lothars 🙂

    Freundliche Grüße,
    Jolie

  2. Lothar Evers sagt:

    Mir ein wenig zu romantisch… Aber: weil Du es bist…

  3. Katharina sagt:

    STILLE

    Ein kleines Stück vom Himmel

    David hatte keine Zeit. Es war der Tag vor Weihnachten und er hatte immer noch kein Geschenk für seine Schwester Ida.
    Auf dem Weihnachtsmarkt schepperte ein Lautsprecher ein Brei aus
    Rock´n Roll und Jingle Bells, immer lauter, immer schneller.
    Es war 17 Uhr und 41 Minuten, als er den Weihnachtsmarkt verlassen wollte.
    Da sah er eine Gestalt an der Rückseite der U-Bahn
    Sie stand bewegungslos am Rand der Ströme. David blickte auf den fremden Umhang der Gestalt und auch auf die mit Gold beklebte Schachtel in ihrer Hand.
    „Was ist das?“ frage David. „Ein Stück vom Himmel“ sagte die Gestalt.
    „Wieviel kostet es?“ „Ich verkaufe die Schachtel nicht, ich möchte sie dir geben, weil nur du mich siehst.“

    David blickte auf den geplünderten Gabentisch.
    Mutters Freund saß im Sessel und erzählte vom Büro.
    Seine Schwester Ida tippte eine SMS ins Handy. David starrte auf den Bildschirm, wo sich 2 Mafiabanden bekriegten.
    Ihm fiel die kleine goldene Schachtel ein, die vergessen auf dem Gabentisch lag.
    Er räusperte sich und gab IDA die Schachtel. “Ida, ich hab noch was für dich.“
    Ida nahm nervös die Schere, schnitt das Band ab und riss das Geschenkpapier auf. Plötzlich erstarrte ihr Gesicht „Ist das Gold?“
    Im selben Moment hörte die Wanduhr auf zu ticken, die Zeiger der Armbanduhren blieben stehen. Die Lampen und Lichterketten erloschen und das Fernsehen wurde schwarz. Idas Handy ging vom Netz.
    „Verdammt, Stromausfall“, brüllte Mutters Freund.
    Dann war es still, bis Ida flüsterte: „Es passierte, als ich die Schachtel öffnete“.
    David holte Streichhölzer und zündete eine Kerze an.
    Und da sahen sie, dass der ganze Raum golden schimmerte.
    Eine halbe Ewigkeit saßen sie da und schwiegen.
    Sie begannen zu ahnen, dass die Zeit stehen geblieben war.
    Und je länger sie dort saßen, desto überwältigender war der Klang der Stille.
    Es durchströmte sie eine Wärme, die nicht aus der Heizung kam, und sie fühlten eine Leichtigkeit, die sie nie zuvor erfahren hatten.
    David schritt zum Fenster.
    Vor der Scheibe tanzten Schneeflocken und in der Ferne läuteten die Glocken.
    Ida legte langsam den Arm um David:„David, was war das in der Schachtel?“
    David lächelte:“EIN KLEINES STÜCK VOM HIMMEL“

    Wunschdenken nicht nur von mir und nicht nur zu Weihnachten , Gruß Katharina

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